Route 66

Die Mainstreet of America lebt!

Ende der 1980er Jahre schon zum Untergang verurteilt, erlebt die berühmte Straße jetzt wieder einen Aufschwung und ist beliebt wir nie zuvor.

Einmal im Leben auf die Route 66 - warum eigentlich?

Warum fliegt ein gewisser Paul Mc Cartney aus London im August 2008 mit seiner Freundin Nancy Shevell vier Wochen in die USA, mietet sich in Chicago einen grünen 89er Ford Bronco, übernachtet u.a. im Hotel Monte Vista in Flagstaff und fährt anschließend nach Seligman zu einem Besuch bei Angel Delgadillo?
Natürlich um auf der Route 66 seinen 66. Geburtstag zu feiern...

Wie kann eine staubige, holperige Straße, einst befahren von Karawanen schlecht ausgerüsteter Pioniere und Siedler zu einer amerikanischen Ikone werden?

Vermutlich aus demselben Grund, weshalb die knatternden Harley-Davidson© Motorräder, die schnittigen 57er Chevys und alle anderen Oldtimer der amerikanischen Autoimobilindustrie in den letzten Jahren ein einzigartiges Comeback erlebten.

Alle diese drei Dinge gehören irgendwie zusammen und sind Bestandteil von dem Mythos "Route 66".

Chevy57

Der Mythos "Route 66"

Die Route 66 ist nicht der Längste, nicht der Schönste und auch nicht der Älteste Highway in Amerika. Aber die Geschichte dieser Straße ist getränkt von unzähligen persönlichen Schicksalen und Tragödien, beschrieben in vielen Romanen, Liedern und Filmen. Nach ihrer Blütezeit Mitte des 19. Jahrhunderts starb die einstmals belebte Straße Stück für Stück, jedesmal wenn ein neuer Autobahnabschnitt zu ihrer Umfahrung fertiggestellt wurde.

Parallel dazu verkaufte sich der 57er Chevy in diesen Jahren immer schlechter. Das Kult-Auto in dieser Zeit wurde für die Käufer uninteressant, weil immer mehr neue Modelle und Marken entstanden. Harley-Davidson© kämpfte aufgrund rückständiger Technik und Verarbeitung seiner Motorräder in dieser Zeit mit seinem Image eines führenden Motorradherstellers.

Doch längst haben alle drei, die Route 66, der 57er Chevy und die Marke Harley-Davidson©, eine einzigartige Verwandlung durchgemacht und symbolisieren heute im Zusammenhang mit der Route 66 in einer immer mehr reglementierten Welt das einzigartige Gefühl von Unabhängigkeit, Freiheit und Abenteuer.

Harley

Romantik und Illusion verdrängen die Wirklichkeit.

Das öffentliche Interesse an der historischen Route 66 mit seinen Oldtimern wurde im Jahr 2006 durch einen animierten Zeichentrickfilm ("Cars") mit authentischem Hintergrund und zahlreichen Elementen der Wiedererkennung entlang der Strecke von Chicago und Santa Monica wieder geweckt.

Der Kult um den 57er Chevy hat eine ganze Branche von Automechanikern beflügelt, das Erbe dieses Autos - von Elvis und James Dean glorifiziert - zu verwalten und wieder zu beleben. Und Harley-Davidson© polierte sein ramponiertes Image mit einer neuen Motorengeneration Anfang des 20. Jahrhunderts und im Zusammenhang mit dem erfolgreichen Roadmovie "Wild Hogs - Born to be Wild" im Jahr 2008 wieder auf.

Man könnte meinen, dass das Interesse an dieser Straße nach unzähligen Filmen, Reiseführern, Liedern und vielen anderen Publikationen schwinden würde - aber in Wirklichkeit scheint es eher noch zu eskalieren. Von Ende April bis Mitte Oktober hat die Route 66 Hochkonjunktur. In diesem Zeitraum summt diese Straße wieder von den Motoren der Motorrädern und Autos.

Mittlerweile sind Route 66-Touristen das ganze Jahr über anzutreffen. Menschen aus allen Ländern dieser Welt machen sich auf, den Mythos auf Teilen oder der ganzen knapp 4.000 km langen Strecke zu erkunden, zu (er)fahren. Und noch nie hörte oder las ich ein Wort der Enttäuschung in einem der zahlreichen Reiseberichte.

In Erzählungen, Bildervorträgen oder auch als Reiseleiter auf der "Mother Road" sehe ich immer wieder in die weit aufgerissene Augen von Menschen, die staunend und überrascht die Vielfalt der Route 66-Kuriositäten entdecken. Es ist unmöglich, die Masse an Informationen und Geschichten der Route 66 in ein paar Sätzen zu erzählen, man muss sie einfach einmal selbst gefahren haben. Natürlich am Besten mit einer Harley-Davidson© oder einem Chevy - natürlich Baujahr 1957.

Ich beschäftige mich schon lange mit diesem Mythos. Ich bin die Route 66 schon viele Male gefahren, noch nie in einem 57er Chevy, aber meistens auf einer Harley-Davidson©.

Der Mythos muss nicht verstanden werden, es ist wie bei der Liebe, Freundschaft oder einem Sonnenuntergang in der Wüste: er muss erlebt werden.

©2010 Wolfgang Werz

 

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